Eine Parabel über die neue Zeit

Ende der Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts war Jugoslawien noch ein friedlicher Staat, was neben einer brennenden Verliebtheit mit ein Grund für Ingrid sein mag, Benjamin einzupacken, ihn von seiner Schule in Slowenien abzumelden, ihren Job zu kündigen und Hals über Kopf zu ihrem neuen Liebhaber, dem manipulativen Restaurant- und Immobilienbesitzer Civitiko, an die kroatische Küste zu ziehen, ohne zu ahnen, welche fatalen Folgen ihr Neuanfang in der scheinbaren Idylle für sie und ihren Sohn haben wird.

Benjamin wächst in Panule bei Pula mit einer apathischen Mutter und einem aufgeblasenen, brutalen Stiefvater auf, der von sich behauptet, Besitzer eines Gasthauses, von Immobilien und Menschen zu sein. Einerseits verspürt das misshandelte Kind Angst und Hass gegenüber dem Stiefvater, andererseits ist der Teenager fasziniert von dessen Macht. Der Roman ist gleichzeitig auch ein sozialer Kommentar – der Stiefvater ist der typische Emporkömmling aus der Zeit des Übergangs vom ausgehenden Sozialismus zum aufkommenden Neoliberalismus nach dem Zerfall des jugoslawischen Vielvölkerstaats. Eine saftige Erzählung von einer intimen und einer gesellschaftlichen Tragödie, der durch Einfallsreichtum eine vitalistische Hoffnung eingeimpft wird.

Jurij Hudolin, geb. 1973 in Ljubljana, ist seit seinem Lyrikdebüt mit 18 Jahren einer der bekanntesten slowenischen Lyriker und Schriftsteller. Er wuchs in Ljubljana und Istrien auf und studierte Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Serbokroatisch in Ljubljana. Er gilt als einer der scharfzüngigsten zeitgenössischen Autoren Sloweniens, wovon seine zahlreichen Kolumnen in den größten slowenischen Zeitungen zeugen.

Jurij Hudolin Der Stiefsohn € 23,60 Septime

 

 

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