Von den Abgründen einer Familie

Mit dem arglosen, unbefangenen Blick des Kindes erzählt Barbara Frischmuth eine Kindheit in Österreich – vom Krieg bis in die 50er Jahre.

Barbara Frischmuth komponiert diesen Roman in drei Teilen (Die Kleine – Juli – Juliane) aus knappen, poetischen Szenen aus der Kindheit eines Mädchens, das in den 40er Jahren in einem Ort im Salzkammergut in eine Hoteliersfamilie geboren wird. Der Krieg macht auch um die idyllische, abgelegene Gegend keinen Bogen. Der Vater fällt in Russland, das Hotel wird von Nazis requiriert, Evakuierte werden einquartiert, Juden versteckt, Widerständler verfolgt, es wird gehungert und gelogen. Der Stiefvater richtet schließlich in den 50er Jahren das Hotel zugrunde, das von geschäftstüchtigeren Neubesitzern übernommen wird. Das Kindheitshaus ist verloren, nicht aber die Erinnerungen. Die kurzen Szenen tragen ganz unaufwendig den Zauber und die Ratlosigkeit der Kindheit in sich und durch die Erzählerin im Hintergrund eine feine Ironie, die auch Abgründe aufscheinen lässt.

Mit diesem Roman schließt sich nach fünfzig Jahren im Werk der Autorin ein Kreis zu ihren Anfängen, denn „Verschüttete Milch“ reicht gewissermaßen die Vorgeschichte zur „Klosterschule“ nach.

Barbara Frischmuth Verschüttete Milch € 22,00; Aufbau Verlag

Österreich.